Am vergangenen Samstag, den 06.05.23 kam es im Rahmen eines vom DSM e.V. und DaMOst e.V. gemeinsam veranstalteten Erinnerungsrundgangs in Hoyerswerda zu einem rassistischen Angriff auf die Teilnehmer*innen. Das Bündnis gegen Rassismus solidarisiert sich mit den Betroffenen und schließt sich der Forderung nach lückenloser Aufklärung und Strafverfolgung der Täter*innen an. Im Folgenden teilen wir die gemeinsame PRESSEMITTEILUNG des DSM und des DaMOst im Wortlaut:

 

Rassistischer Angriff in Hoyerswerda: DaMOst und DSM fordern strafrechtliche und politische Konsequenzen

Halle (Saale), 10.05.2023

Am Samstag, dem 06.05.2023 gegen 15:00 Uhr, erlebten wir in Hoyerswerda einen rassistischen Angriff. Während einer Erinnerungsreise mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen of Color warfen Unbekannte einen Böller in Richtung unserer Gruppe. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung dieser Tat sowie das Ergreifen weitreichender Maßnahmen gegen derartige rassistische Angriffe.

Am Tag des Angriffs fand im Rahmen des DaMOst-Projekts Kompetenznetzwerk für das Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft eine (post)migrantische Erinnerungsreise nach Hoyerswerda statt. Die Reise wurde von einem Zeitzeugen, der die rassistischen Pogrome im Mai 1990 und September 1991 in der sächsischen Stadt miterlebt hat, begleitet.

Als die Gruppe eine Straße passierte, warfen zwei weiße Männer mittleren Alters einen Böller nach ihr aus dem offenen Fenster eines Wohnblocks. Der Böller verfehlte die Gruppe und explodierte auf einem Gehsteig. Die beiden weißen Männer hatten die Gruppe, die phänotypisch aus migrantisch gelesenen Menschen bestand, schon von Weitem beobachtet. Kurz vor dem Angriff wurde außerdem der Aufruf „Jetzt, schnell, schnell“ zwischen den Männern vernommen. Trotz des hohen Verletzungsrisikos wurde bei dem Angriff niemand körperlich verletzt.

Es handelt sich dabei eindeutig um eine rassistisch motivierte Tat. Wir sind erleichtert, dass niemand von uns körperlich verletzt wurde. Der Zeitzeuge, der vor über 30 Jahren die pogromartigen Angriffe auf sein Wohnheim in Hoyerswerda überlebte, ist über den Vorfall fassungslos.

Ayman Qasarwa, Geschäftsführer von DaMOst macht deutlich:

„Rassismus darf keinen Millimeter Platz erhalten, sich in unserer Gesellschaft zu etablieren und muss mit allen Mitteln – rechtlich, moralisch und politisch – bekämpft werden. Wir richten uns daher an Zivilgesellschaft, Politik, Polizei und Justiz, diesen Fall lückenlos aufzuklären und derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern.“

Emiliano Chaimite, Co-Geschäftsführer des DSM, äußert sich dazu:

„Wir sind entsetzt, dass auf einer Veranstaltung, die rassistische Gewalt in Sachsen thematisiert, ein erneuter rassistischer Angriff gegen Jugendliche und einen Zeitzeugen stattfindet. Hoyerswerda galt bisher wegen der Aufarbeitung der Pogrome als fortschrittlich, mit diesem Anschlag wird viel Aufgearbeitetes zurückgeworfen. Das zeigt deutlich, wo wir in Sachsen zum Teil stehen und wie dringend wir tiefgreifende Veränderungen und konkrete Maßnahmen gegen Rassismus auf allen Ebenen der Gesellschaft brauchen.”

DaMOst und der DSM verurteilen diese Tat aufs Schärfste und fordern strafrechtliche und politische Konsequenzen.

 

Die (post)migrantische Erinnerungsreise nach Hoyerswerda fand im Rahmen des DaMOst-Projekts ,,Kompetenznetzwerk für das Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft’’ in Kooperation mit dem Dachverband sächsischer Migrant*innenorganisationen e.V. statt. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms “Demokratie leben!”.

 

Rückfragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet:

Nane Khachatryan: info@damost.de und telefonisch unter: +49 345 68686428
Über den Verein DaMOst:
Der Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland – DaMOst e.V. ist eine Vernetzung der Landesnetzwerke und Landesverbände der Migrant*innenorganisationen in den neuen Bundesländern, die über 300 Migrant*innenorganisationen vertreten. DaMOst vertritt die Interessen der in Ostdeutschland lebenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf Bundesebene. Er versteht sich als legitimer und kompetenter Gesprächspartner gegenüber den Akteur*innen der Bundespolitik sowie allen relevanten Organisationen auf Bundesebene und als Mitgestalter der Gesellschaft.